Bild 1 Rückseite meiner Remington „Noiseless Portable“
Die Zeile „Product of Remington Rand“ war Auslöser
für die nachfolgende Recherche, sowie das Schrift-Projekt „Remis“










Bild 2 Aufschrift von der Vorderseite
meiner Schreibmaschine, s. nachfolgendes Bild











Bild 3 – Remington „Noiseless Portable“ (ca. 1932)













Remis – Wie Remington-Schriftzüge
eine Schriftgestaltung inspirierten




Mit meiner Remington „Noiseless Portable“ Schreibmaschine, die aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts stammt, begann im Oktober 2025 mein jüngstes Schrift-Projekt: Remis.
Auf dieser Maschine befinden sich zwei Aufschriften, die mich bei näherer Betrachtung, sehr faszinierten (s. nachfolgendes Bild).







Bild 4 / 5 – extrahierte Buchstaben der Aufschriften, in der Vergrößerung





Die Buchstaben der Aufschriften sind etwas Besonderes, meiner Meinung nach. Auf den ersten Blick wirken sie wie Serifen-Schriften, doch mit etwas Konzentration kann ich die Serifen förmlich „wegsehen“, was den Schriften etwas Gleichzeitiges verleiht. Ich frage mich, ob hier eine Art semi-serif, flared sans gestaltet wurde, lange bevor diese Bezeichungen überhaupt Verwendung fanden.

Nachdem ich hochauflösende Fotos meiner „Noiseless“ gemacht habe, versuchte ich sofort mit den gängigen tools diese Aufschriften zu identifizieren (inkl. Chat GPT), jedoch ohne Erfolg. Auf typografie.info habe ich meinen ersten Beitrag dazu gepostet.  Ich wollte mal wissen, was die community dazu sagt. Bekanntlich sehen viele Augen mehr! Ein Kommentar von Ralf Herrmann war sehr aufschlussreich:

„Die Faustregel (bis zur Durchsetzung skalierbarer Schriften) ist: wenn es nicht gedruckt ist, ist es höchstwahrscheinlich auch nicht gesetzt. Diese Aufkleber sind nicht mit den Bleilettern der Zeit auf eine Schreibmaschine zu drucken.“


Das war nicht nur erhellend, sondern auch zielführend. Ich fand heraus, dass es sich bei der Technik zur Auftragung der Schriftzüge um einen „Transfer-Decal“ handelt. Wie zum Beispiel das „Gold-Transfer-Verfahren“, dass zu jener Zeit oft bei Musikinstrumenten, Fahrrädern und Schreibmaschinen Anwendung fand – und zwar „in-house“. Die Schritzüge ließen sich also durch dieses Verfahren „sauber“ reproduzieren, was bei der Serien-Herstellung von tausenden Schreibmaschinen gegen Hand-Lettering spricht, denke ich.







Bild 6 – unterschiedliche Aufschriften verschiedener Remington-Modelle





Eine Recherche, durch gefühlt alle Webseiten, die Remington-Schreibmaschinen vorstellten, oder zum Kauf anboten, ergab unter anderem das obenstehende Bild. Es zeigt verschiedene Remington-Schriftzüge und Modell-Bezeichnungen ab 1927. In jenem Jahr fusionierte die Remington Typewriter Company mit der Rand Kardex Bureau und anderen zu Remington Rand

Da es auf den Schreibmaschinen keine durchgehende, gestalterische Einheitlichkeit, in Bezug auf den Schriftzug „Remington“ gab (corporate design), existieren je nach Schreibmaschinen-Modell verschiedene Schrift-Designs.

Es gab auch kein Remington-Logo. „Remington“ wurde eher wie eine Wortmarke behandelt und das „R“ mit dem langen Bein, das unter die Grundlinie verlief, war ein wesentliches, wiederkehrendes Erkennungs-Merkmal.

Mit der Zeit, bzw. mit zunehmender Produktion und wachsendem Marktanteil, entstanden unterschiedliche Schreibmaschinen-Modelle, die für spezielle Anwendungen konzipiert wurden. Auf einer Anzeige (s. nachfolgendes Bild) wurde der technische Fortschritt gegenüber der alten Schreib-Tradition von Hand gepriesen.



Bild 7 – Anzeige für die  „Model 11“ (ca. 1910)










Bild 8 – Front-Decal der Remington „Noiseless 6“ (1927)








Irgendwann empfand ich eine Spur! Das Front-Decal auf der Remington „Noiseless 6“ sieht der damals allseits bekannten Satzschrift DeVinne ähnlich. Ich kann eine große Ähnlichkeit, bzw. eine „Verwandtschaft“ feststellen. Ich denke, die Remington-Aufschrift wurde von der Bleisatz-Schrift inspiriert.

Ab der Jahrhundertwende nutze die Remington Typewriter Company vielfach die Satzschrift DeVinne für ihre Werbeanzeigen.





Bild 9 / 10 / 11 / 12 – Remington-Werbeanzeigen
für die Modelle 10 und 11, ca. 1910









Bild 13 – DeVinne, aus der obigen Anzeige extrahiert (ca. 1910)




Bild 14 – Remington-Decal der Remington „Standard Model 10“ (1910)




Bild 15 –Remington-Decal der Remington „Paragon 12“ (1920)




Bild 16 –Remington-Decal der Remington „Noiseless 6“ (1927)










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